Helden und ihr Äußeres

Mein männlicher Protagonist Adrien ist gutaussehend. Und das weiß er. Er ist auch ziemlich stolz darauf und nutzt es für sich. Dunkle Haare, blaue Augen, athletische Figur, vielleicht etwas kleiner als der Durchschnitt, aber mit markanten und den typischen aristokratischen Wangenknochen. Er ist Prince Charming in Reinform- optisch gesehen.

Aber muss der Gute immer hübsch sein? Es gibt ja Studien (letztens war dazu ein guter Artikel im Stern), die Antagonisten und Protagonisten in Filmen untersuchen, und diese stellen körperliche Entstellungen und markante Abweichungen des Gesichts von der Norm bei einem Großteil der Antagonisten fest. Schauen wir uns einen Paul Bettany in „Sakrileg“ an, der als Albino optisch besonders auffällt. Oder die gesamten Schätzchen in den Comic-Verfilmungen.

Bei den Protagonisten ist das deutlich seltener der Fall und wenn, dann bringen die Schauspieler die Abweichungen selbst mit, wie Narben oder Leberflecke. Was, wie ich finde ein verzehrtes Bild darstellt. Wer schön ist, ist gut? Wer entstellt ist, böse? Klar, wird immer wieder behauptet, dass man mit dieser Darstellung brechen will. Dass diese Aufteilung veraltet ist. Und zack! kriegt wieder ein gutaussehender Kerl eine Hauptrolle und wird optisch auch noch noch glatter gebügelt.

Literaturverfilmungen

Auffällig ist auch, dass körperliche Makel bei Protagonisten, die in Romanen erwähnt werden, für die filmische Umsetzung abgemildert dargestellt werden. Hat der Protagonist im Krieg den Arm zerlegt bekommen, wird ein schlecht gespielter Hinkefuß daraus (Fackeln im Sturm). Narben werden mit Haaren verdeckt oder sehr blass dargestellt. Wird ein Held als klein dargestellt, ist der Darsteller manchmal plötzlich groß gewachsen, die Figur wird optimiert (Jenny in Gossip Girl, die plötzlich normalgroße Brüste hat).

Mache ich es besser? Wer ist der Schönste?

Ich habe lange Zeit mit mir gehadert, als ich „Als das Schneeglöckchen fliegen lernte“ geschrieben habe. Michael, den anderen Protagonisten, habe ich zumindest eine Sehschwäche verpasst, er ist mehr Gelehrter, denn Playboy. Modisch nicht auf der Höhe, aber gepflegt.

Den Antagonist habe ich betont gutaussehend dargestellt. Fast schon zu schön. Etwas künstlich.

Aber Adrien? An den habe ich mich nicht herangetraut. Darf ich ihn entstellen? Was wäre, wenn mir die Leser nicht verzeihen, wenn er nicht genretypisch gutaussehend ist?
Letztendlich habe ich mich für einen Mittelweg entschieden und ich hoffe euch gefällt er.

Wie seht ihr das? Muss das Aussehen eines Protagonisten gut sein? Wie unterscheidet sich das von Genre zu Genre?

Liebe Grüße

Jocelyn

Themen:

Protagonist, Allgemein, Als das Schneeglöckchen fliegen lernte, Antagonist, Bücher, Fakten, Genre, Roman, Werk

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