Gestern stand der lange geplante Besuch bei Herrn W. vom 8. Linienregiment der Grande Armée an und ich war eingeladen mir selbst ein Bild von den Waffen und der Uniform meines Protagonisten zu machen. Ich glaube, vor noch keinem Recherchetermin hatte ich so viel Respekt. Selbst das Herufuchteln mit Skalpell und Knochensäge hat mich nicht so eingeschüchtert, wie der Gedanke an den Termin gestern.

Ein Uniformrock der Grenadiere des 8. Linieninfanterie-Regiments

Wohl, weil ich weiß, wie wenig Ahnung ich von der ganzen Thematik habe, obwohl ich in den letzten Wochen das Gefühl hatte mich für ein Staatsexamen vorzubereiten, so viel habe ich zu den Kriegen auf der Iberischen Halbinsel gelesen.

Und, weil ich in der letzten Zeit ein wenig die Freude an dem Thema „Napoleonik“ verloren hatte. Ich hatte das Gefühl meinem eigenen Anspruch nicht zu genügen. Dabei hatte ich mich in der Recherche komplett verloren. So saß ich vor dem Laptop und habe gar nichts mehr zu Papier gebracht. Unter all den Fakten waren die Figuren komplett ohne Leben geblieben. Ich fand sie allesamt schrecklich unsympathisch.

Und- und das ist wohl das Schlimmste- weil ich noch nie eigenen Lesern von „Als das Schneeglöckchen fliegen lernte“ Auge in Auge gegenüber gestanden habe. Der Gedanke hat mich abgeschreckt. Geschriebener Kritik kann ich entgehen. Dann lese ich sie eben nicht. Aber in die Augen von Leuten zu sehen, die jede Szene kennen, hat mich beunruhigt. Auf welche Szenen würden sie mich wohl festnageln. Und ja, die Vergewaltigungsszene… ne darüber spreche ich ungern.

Tschako

Unterwegs mit Sack und Pack und Baby

Mein kleiner Sohn hat die Anspannung seiner Mama gespürt und wollte sich heute auch nicht bei seinen Babysittern abgeben lassen. Also durfte er meinen Mann und mich zu dem Besuch begleiten. Was mich noch nervöser gemacht hat. Würde er das überhaupt durchstehen? Würde er nur weinen und der Besuch würde umsonst sein?

Bärenfellmütze der Grenadiere

Auge in Auge mit den eigenen Lesern

Allerdings waren meine Sorge vollkommen unbegründet, wie ich schon an der Haustür und einem netten Gespräch bei Kuchen und Kakao (das war so schrecklich aufmerksam) festgestellt habe.

Wir haben über das Buch gesprochen, über Stärken und Schwächen, wie dick mein Roman einfach nur ist. So dick, dass ich wohl es wohl in Zukunft mit Lesehalterung im Set verkaufe sollte. Über meine Pläne für den nächsten Roman. Welche Ansprüche ich an mich hätte.

Eine Uniform für meinen Protagonisten

Auch der Rest des Besuchs war unendlich spannend. Ich durfte einen Uniformrock überziehen, einen Tschako aufsetzen und ich habe gezeigt bekommen, wie man eine Muskete lädt bzw. wie man es machen würde, denn ich bin in Anbetracht der Kilos an Ausrüstung und Waffe fast zu Boden gegangen. Auch einen Grenadiersäbel habe ich gezeigt bekommen. Leider wurde er mir abgenommen, ehe ich ihn unauffällig in der Wickeltasche aus dem Haus schmuggeln konnte. Vielleicht hat eine/einer von euch da eine bessere Strategie, die ich umsetzen kann, wenn ich die ausgeliehene Literatur zurückbringe 😂😋

Grenadierssäbel und Bajonett- passt beides perfekt in eine handelsübliche Wickeltasche

Ansonsten… kann man sich so etwas vom Weihnachtsmann wünschen?


Diese Leidenschaft für Geschichte und diese Liebe fürs Detail fand ich so beeindruckend, die Begeisterung so ansteckend, dass ich mich auch wieder daran erinnert habe, welche Liebe mich selbst mit dieser Epoche verbindet. Und weshalb ich über diese Epoche schreibe. Ein paar Figuren habe ich plötzlich etwas klarer gesehen.

Detail einer Muskete

Mein Gastgeber und seine Frau, aber auch ihre Kinder sind so herzlich und freundlich gewesen, dass ich mit viel Freude auf diesen Besuch zurückblicken werde und hoffe von ihnen noch oft zu hören. Vielen, vielen Dank.

So! Jetzt wird (endlich) fleißig (weiter-)geschrieben.

Eure Jocelyn

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